Die Kunst des Verschwindens von Melanie Raabe

Die Kunst des Verschwindens von Melanie Raabe

von Sarah Reul , 01.11.2022

Wenn ich ein Buch lese und es zwischendrin immer wieder sinken lasse, um mit mir selbst ins Zwiegespräch zu gehen, um laut zu sagen: WOW - dann bin ich verliebt!

Wo soll ich anfangen - dieser Roman hat so viele Elemente, die mich begeistert haben (und ich werde nur von einigen schreiben um  nicht zu spoilern). Melanie Raabe hat so ein so großartiges Händchen für Atmosphäre - ob es eine fast rauschhafte Theateraufführung oder ein nächtlicher Museumsbesuch ist, jedes Mal bin ich zu 100% drin. Ich tauche während des Lesens immer wieder in Situationen kopfüber ein, nur um an einer ganz neuen Stelle wieder aufzutauchen. Ihre beiden Protagonistinnen Ellen und Nico sind auf der Suche, stehen an sehr unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und ich wollte sie von den ersten Seiten an begleiten und nicht loslassen. Wie auch schon in ihren vorherigen Büchern erzählt sie nicht nur eine spannende Geschichte, sondern schafft es, unsere aktuelle Gesellschaft abzubilden. Durch diese Verortung der Ereignisse im Hier und Jetzt gewinnt der Roman zusätzlich an Tiefe. Dieses Buch hat mich auf eine Reise mitgenommen von der ich nicht wusste wie dringend ich sie antreten wollte. Ich liebe es, wie sie mit großer Sensibilität über Trauer schreibt, über das schwere und anstrengende. Über die Dinge, die wir uns oft nicht mal selbst eingestehen wollen. Eine Autorin, die es schafft, dass ich beim Lesen innehalte, ein paar Tränen wegblinzele und mir wünsche, das Buch hätte noch 200 Seiten mehr - eine solche Geschichtenerzählerin ist ein Geschenk ♥️. Hands down: "Die Kunst des Verschwindens" ist schon jetzt eines meiner Jahreshighlights.

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