hr-iNFO Büchercheck: Die Erben des Zeus von Scott Turow

hr-iNFO Büchercheck: Die Erben des Zeus von Scott Turow

07.05.2015

In dem Kriminalroman „Die Erben des Zeus“ geht es um zwei griechisch-stämmige Familien in den USA, deren Zerwürfnis bittere Konsequenzen hat.
hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Roman gelesen.

Worum geht es?

Cass Gianis hat sich vor 25 Jahren zu dem Mord an seiner Verlobten Dita Kronon schuldig bekannt. Nun soll er aus dem Gefängnis entlassen werden, was Ditas Bruder Hal zu verhindern versucht, ohne Erfolg. Er beschuldigt Cass‘ Zwillingsbruder, Paul, einen aufstrebenden Politiker, an dem damaligen Mord beteiligt gewesen zu sein und es beginnt ein juristischer Krieg zwischen den Familien, in dem beide Seiten mit Hilfe von klugen Anwälten alle Register ziehen, am Ende aber alle beschädigt zurücklässt.

Wie ist es geschrieben?
Scott Turow versteht es, die Spannung über mehr als 400 Seiten hoch zu halten. Indiz für Indiz wird in diesem Justizthriller die Wahrheit aufgedeckt. Es entsteht ein komplexes Bild über die Verstrickung zweier griechisch-stämmiger Familien, deren Feindschaft vor Jahrzehnten in dem Streit über die Pacht für einen kleinen Lebensmittelladen begründet ist. Im Mittelpunkt steht dabei Zeus, Vater von Hal, ein Tyrann, ein Machtmensch, der andere Menschen, auch aus der eigenen Familie, gnadenlos benutzt hat. Inzwischen ist er längst tot, aber sein unheilvolles Wirken setzt sich fort. Hal ist von Rache getrieben und will die Familie Gianis zerstören, wofür seine Sicherheits-Beraterin sogar Verständnis hat:
„Doch zumindest ein Teil von Hals Wut war nachvollziehbar. Ditas Ermordung hatte die politische Karriere seines Vaters beendet. Wenige Tage nach dem Tod seiner Tochter hatte Zeus die Gouverneurskandidatur zurückgezogen. Und nun war Paul auf dem besten Wege, den Olymp zu besteigen, wobei die Zeitungen jetzt schon spekulierten, falls er Bürgermeister würde, wäre der Gouverneurssessel wahrscheinlich die nächste Station. Ich habe immer gedacht, dass es irgendwas damit zu tun hatte, sagte Hal. Meine Eltern wollten das nie hören. Alle beide nicht. Mein Vater sagte immer bloß: Das ist für die Gianis genauso eine große Tragödie wie für uns. Und meine Mutter wollte einfach nie über die Sache reden, besonders nicht nach Dads Tod.“

Wie gefällt es?
Scott Turow ist Anwalt und schildert die juristischen Spitzfindigkeiten überzeugend. Daneben geht es in „Die Erben des Zeus“ vor allem um eine, im wörtlichen Sinne, griechische Tragödie. Die Wahrheit, die am Ende aufgedeckt wird, zeigt die Schuld, den Schatten der Vergangenheit und die Schwierigkeit der nachfolgenden Generationen, sich von diesem Erbe zu lösen. Mich hat das Buch gefesselt und lange in mir nachgehallt.

Bibliographic data

Mehr von diesem Autor

Mehr aus dieser Kategorie

Unsere Buchtipps