Tell von Joachim B. Schmidt

Tell von Joachim B. Schmidt

von Dieter Dausien , 03.03.2022

Trotz Pandemie konnten wir im letzten Jahr eine Herzensveranstaltung live und im Buchladen stattfinden durchführen: Der Schweizer-isländische Autor Joachim B. Schmidt war bei uns zu Besuch und stellte sein Buch „Kalmann“ vor. Nach diesem tollen vierten Island-Roman präsentiert der Autor nun ein gänzlich anderes Thema, nämlich die Schweizer Geschichte. „Tell“, so der knappe wie unzweideutige Titel des Romans interpretiert die Legende des Schweizer Freiheitshelden auf ganz eigene Weise.

Der Roman wird in der Ich-Form erzählt, allerdings nicht von einer Person, sondern aus permanent wechselnder Perspektive. Das klingt auf Anhieb etwas unübersichtlich, wird aber durch das stringente Fortschreiten der Handlung konterkariert und macht den Roman zu einem echten Pageturner. Unglaublich spannend erzählt, breitet das Buch eine neue und überraschende, dabei aber absolut schlüssige Tell-Geschichte vor uns aus. Was Schmidt aus dem Stoff macht, ist ein wilder Ritt durch Tells Geschichte: 20 Protagonisten lassen uns teilhaben an seinem Leben, seiner inneren Zerissenheit. Cliffhanger ohne Ende, zwanzig Perspektiven in fast 100 schnellen Sequenzen, mit viel Tempo erzählt. Der Sohn Walter, der Statthalter Geßler und sein vom Hass getriebener Adlatus Harras, Tells Frau, Tells Mutter, überhaupt, anders als bei Schiller, viele Frauen, alle kommen zu Wort und treiben die Geschichte voran. Die Abschnitte sind zum Teil nicht mal eine Seite lang. Schmidt lässt uns kaum Zeit zum Atem holen, Seite um Seite blättert man um und legt das Buch nicht mehr aus der Hand bis zum Schluss – große Leseempfehlung. Probelesen können Sie hier!

Joachim B. Schmidt besuchte uns am Montag, den 12.09.2022 zu einer wunderbaren Lesung im Café Ellis.

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